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Ein offizielles Kernel-Paket für Gentoo?

Im Gegensatz zu anderen Distributionen laufen Kernel-Installationen und -Updates unter Gentoo ein wenig anders ab. Während bei anderen Distributionen neue Kernel-Versionen einfach über die Paketverwaltung installiert werden, liefert Gentoo lediglich den Kernel-Quelltext aus. Der Benutzer kompiliert und installiert den Kernel anschließend manuell in einem zweiten Schritt. Das will Gentoo-Entwickler Michał Górny jetzt mit einem offiziellen Gentoo-Kernel ändern.

Die Kernel-Konfiguration und -Installation erfolgt unter Gentoo traditionell entweder manuell oder vereinfacht mit genkernel. Eine eigene Kernel-Konfiguration erlaubt einen hohen Anpassungsgrad an die verwendete Hardware oder spezifische Workloads, während genkernel eher „generisch“ vorgeht.

Dieser (sehr flexible) Ansatz hat jedoch einen Nachteil: Die fehlende Standardisierung. Zum Einen wird dadurch die Fehlersuche erschwert, zum Anderen können falsche Anpassungen am Kernel auch schnell zu einem nicht mehr startenden System führen. Die manuelle Konfiguration eines eigenen Kernels ist heutzutage im Regelfall ohnehin nicht mehr erforderlich, da für die meisten Anwendungen die Standardkonfiguration völlig ausreicht.

Ziel des von Górny initiierten distribution kernel-Projektes ist, einen vorkonfigurierten Linux-Kernel als reguläres Gentoo-Paket auszuliefern. Neue Kernel-Versionen werden einfach direkt im Rahmen eines regulären System-Updates über die Paketverwaltung installiert, die bisher erforderliche separate Installation entfällt dabei. Die neuen Kernel-Pakete stehen auch als Binärpakete bereit, was gerade auf weniger leistungsstarken Systemen eine deutliche Zeitersparnis bringt.

Wer sich den neuen Distributions-Kernel einmal anschauen möchte, kann eines der folgenden Pakete einspielen:

sys-kernel/gentoo-kernel
sys-kernel/gentoo-kernel-bin
sys-kernel/vanilla-kernel
sys-kernel/vanilla-kernel-bin

Die gentoo-kernel-Pakete werden aus dem gentoo-sources-Paket erstellt, die vanilla-Pakete entsprechend aus dem originalen Kernel-Quellcode ohne weitere Anpassungen. Über diese Pakete wird der Kernel mit einer fest definierten Konfiguration kompiliert. Die -bin-Pakete stellen die bereits vorkompilierten Binärpakete bereit und können derzeit nicht parallel zu den „nicht-binären“ Paketen installiert werden.

Fazit

Gefällt mir! Vor einigen Tagen habe ich bereits zwei meiner Systeme mit dem gentoo-kernel-Paket ausgestattet. Auf einem Desktop-System habe ich das Binärpaket verwendet, ein Server hat das „reguläre“ Paket bekommen.

Als ich mir das Projekt vor wenigen Wochen das erste Mal angeschaut habe, kam es nach der (zunächst scheinbar erfolgreichen) Installation immer zu Boot-Problemen. Diese Probleme sind bei meinen aktuellen Tests nicht mehr aufgetreten, beide Systeme sind jeweils nach der Installation und Anpassung der GRUB-Konfiguration ohne Probleme gestartet und laufen stabil.

Meiner Meinung handelt es sich hier um ein sehr interessantes Projekt, welches ich definitiv weiter verfolgen werde – auch, weil Górny in seinem Blog-Eintrag erwähnt, dass hinsichtlich der Bereitstellung von offiziellen Binärpaketen wohl noch einiges zu erwarten ist.

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